von Theo Nießen, Thomas Eßer und Hermann Ritter

Ehrenbürger Willi Maurer, Kämmerer Klaus Schmitz und Abteilungsleiter Kurt Lingscheidt stellten im Rheinischen Industriemuseum ihre Qualitäten als Rezitatoren unter Beweis.

VON JOACHIM SPROTHEN am 13./14.03.2004

Euskirchen-Kuchenheim - Ob der 1976 im Alter von fast 90 Jahren verstorbene Theodor Nießen diese Verse heute noch so schreiben würde, ist schwerlich zu beurteilen. In seinem Gedicht "Dat ahle Öskerche" hatte der Schmied, Unternehmer, Stadtverordnete und angesehener Bürger gereimt: "Et hät sich jeändert dat ahle Beld, höck kennt me dat Städtche net wedde; dat Ahle on Neue zesammespelt, om domöt ös jede zefredde."

Nostalgie und Heiterkeit

Mag sein, dass die allgemeine Zufriedenheit über das Stadtbild mittlerweile etwas nachgelassen hat. Am Donnerstag sorgte Nießen posthum mit derartigen Sentenzen noch einmal für nostalgisch-besinnliche Heiterkeit.

Der Euskirchener Ehrenbürger Willi Maurer, Kämmerer Klaus Schmitz und der Abteilungsleiter für öffentliche Aufgaben, Kurt Lingscheidt, waren im Industriemuseum in Kuchenheim dafür zuständig, Werke der Euskirchener Heimatdichter zu rezitieren. Von ungefähr waren diese drei Herren nicht als Vorleser rekrutiert worden: Alle können Platt. Maurer und Lingscheidt hatten sich bereits bei früheren Gelegenheiten "qualifiziert". Lingscheidt holte seinen wortgewandten Chef dazu - und alle drei sorgten im Verein mit Moderatorin Dr. Maria-Regina Neft für einen unterhaltsamen Abend.

Rezitiert wurden auch Werke von Hermann Ritter, der weder Euskirchener noch Eifeler war, aber zahlreiche Skizzen und Erzählungen aus dem Kreisgebiet zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hinterließ. Auch Thomas Eßer, 1870 in Schwerfen geborener späterer Vizepräsident des Deutschen Reichstages, Euskirchener Stadtverordneter, Kritiker des Nazi-Regimes und Heimatschriftsteller, wurde zitiert. Dass die Literaturwissenschaftlerin Maria-Regina Neft diese drei Schriftsteller ausgewählt hatte, war kein Zufall. Denn alle vorgetragenen Texte hatten Bezüge zur Wirtschaftsgeschichte der Stadt Euskirchen. Womit die Lesung thematisch bestens ins Industriemuseum passte. Natürlich wurden die Zuhörer nicht mit drögem Zahlenmaterial gelangweilt.

50 Besucher amüsiert

Die Autoren hatten Anekdötchen zu Papier gebracht, in denen es vor allem "menschelte". Da wurde die Historie der "letzte Nalschmed" (Nagelschmiede) Euskirchens beleuchtet. Der "Hüttenmeister Steinmans" ist den Zuhörern nunmehr ebenso ein begriff wie der "Spook öm de Annaturm". Alles trug sehr zur Erbauung jener rund 50 Besucher bei, die sich am Donnerstag prächtig über die köstlichen "Verzällcher" amüsierten.

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