Kleider machen Leute; Modenschau in der Fabrik

selbstbewusste Models

Im September 2003 veranstaltete das Industriemuseum – mit finanzieller Unterstützung durch den Förderverein – im Rahmenprogramm der Ausstellung „Kleider machen Leute. Bürgerliche Moden des 19. Jahrhunderts“ zum zweiten Mal eine höchst außergewöhnliche Modenschau. Auszüge aus den Presseberichten und Fotos von Jochen Pakulla zu dieser Veranstaltung:

Kölner Stadtanzeiger, 15.9.2003
Anmut, Erotik – und in den Pausen Poesie
Tolle Modenschau im Tuchmuseum
von Kristof Trier

Ein Traum in weiß...

Im LVR-Industriemuseum traf am Samstagabend junge Mode auf historisches Ambiente. Vor der Kulisse der alten Tuchfabrik zelebrierte man in der „Shedhalle“ die „Lange Nacht der Mode“. 250 Zuschauer sahen die Präsentation der aktuellen Herbst-Winter-Kollektionen verschiedener Gütersloher und Düsseldorfer Designer, aber auch die etwas wilderen Kreationen junger Modehochschulstudenten.

mutige Kreationen...

Anlass für diese Modenschau der besonderen Art ist die Sonderausstellung „Kleider machen Leute – bürgerliche Mode des 19. Jahrhunderts“. Finanzielle Schützenhilfe leistete der Förderverein des Industriemuseums , die Organisation lag in den Händen von Martin Schmidt vom Textil- und Raumbüro „TexTuRa“. Er gewann große Ateliers und auch den Nachwuchs für die Nacht.

Den Auftakt des insgesamt dreiteiligen Programms bestritten zunächst die Euskirchener Modehäuser Eschweiler und Loeb mit Damenkreationen von Dinomoda und Herrenausstattung von Louis Ferraud. Danach präsentierten Designer und Couturiers aus Düsseldorf – Wolfgang Schminke, Stephanie Pothen, Susanne Sixtus, Maria Mund-Marek und Lucia Brüggen – ihre neuesten Werke von sportlich bis betont feminin.

für festliche Anlässe

Nicht nur real auf dem Laufsteg, sondern auch poetisch in Lesungen zwischen den einzelnen Blöcken wurde der Traum von schönen Kleidern gegenwärtig. Gerhard Ferenschild rezitierte unter anderem aus Stefan Zweigs „Der Rausch der Verwandlung“ und Thomas Manns „Der Schrank“.

Der dritte Teil des Abends schließlich ließ den Nachwuchs den Laufsteg erobern. Absolventen und Studierende der Hochschule Niederrhein aus Mönchengladbach, der Fachhochschule Trier und der privaten Modeschule Düsseldorf zeigten ihre experimentellen Kreationen und Abschlussarbeiten. Zu Themen wie „Shanghai“ oder „Bonnie and Clyde“ wurden klassische, freche, schräge und erotische Kombinationen vorgeführt. Die 35 Models – ausnahmslos Amateure aller Altersklassen – waren von Martin Schmidt in einem Casting ausgewählt und anschließend über vier Wochen von ihm in der Kunst der anmutigen Bewegung eingeführt worden.

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Wochenspiegel 17.09.2003
Klassisch, mal exotisch: Die aufregende Welt der Mode
„Lange Nacht der Mode“ im Industriemuseum

Zum zweiten Mal gab’s am Samstag eine „Lange Nacht der Mode“, und zum zweiten Mal war die Spinnereihalle der ehemaligen Tuchfabrik Müller während dieser vom Rheinischen Industriemuseum und dessen Förderkreises initiierten Veranstaltung vollbesetzt.

Die Präsentation aktueller Mode, außergewöhnlichen Designs und experimenteller Kreationen war nicht nur eine Ergänzung der zur Zeit vom Museum präsentierten Sonderausstellung „Kleider machen Leute – Bürgerliche Mode im 19. Jahrhundert“, sie wurde gleichzeitig auch sämtlichen Ansprüchen der modisch interessierten Besucher gerecht. Denn die in drei Abschnitte gegliederte Vorführung wandte sich sowohl an Damen wie an Herrn, wofür nicht zuletzt den hier ansässigen Firmen, dem Modehaus Eschweiler und Herrenmoden Loeb, zu danken ist.

Zu so genannten Bildern zusammengefasst, ließen sie zunächst vom Modellnachwuchs die Trendkollektion des kommenden Herbst/Winters von Dinomoda und Louis Féraud vorführen, bei der Weiblichkeit hier und Eleganz da dominierten. Die nach einer ersten Pause folgenden Bilder gestalteten Düsseldorfer Designer und Couturiers, wobei sie verschiedene Aspekte unterschiedlich gewichteten. (…)

Nach einer zweiten Pause ging’s weiter mit Entwürfen des Nachwuchses, der an diversen Fachhochschulen ausgebildet wird.

Wild und erotisch erweisen sich die Entwürfe, die in Trier und Düsseldorf entstanden sind. „Katzen“ erobern den Laufsteg, werden von Geishas und fernöstlichen Motiven abgelöst, die nächsten Modelle setzten wieder auf Strick und Minirock, oder lassen sich von der Kulturgeschichte der Erotik inspirieren. (…)

Und auch am Ende dieser Langen Nacht der Mode steht die in Weiß gehüllte Braut, wobei die großen Accessoires aus Weißblech einmal für inspirierte Exotik, zum anderen für die Haltbarkeit der Ehe stehen.

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